Du bist ständig müde, dir fallen mehr Haare aus als früher und dein Arzt sagt: „Ihre Werte sind in Ordnung“? Dann lohnt sich ein Blick auf deine Eisenwerte. Mir war lange nicht klar, wie wichtig Eisen für die Schilddrüse überhaupt ist.
Eisenmangel war bei mir schon sehr früh ein immer wiederkehrendes Problem. Mein früherer Hausarzt war mit einem Ferritinwert von 15 völlig zufrieden. Kein Wunder, dass es so schnell immer wieder zum Problem wurde. Heute weiß ich, dass ein Ferritinwert von 15 immer noch sehr niedrig ist und dass Eisen bei Hashimoto ein super wichtiger Faktor ist.
Warum ist Eisen bei Hashimoto so wichtig?
Deine Schilddrüse braucht Eisen, um Hormone herzustellen. Eisen steckt im Enzym TPO (Thyreoperoxidase), das bei der Hormonproduktion eine Schlüsselrolle spielt. In einer Laborstudie an Ratten sank die TPO-Aktivität bei Eisenmangel deutlich. Eine Übersichtsarbeit nennt außerdem einen möglichen Einfluss auf die Umwandlung von T4 in aktives T3. Und in einer Meta-Analyse waren bei Eisenmangel häufiger Schilddrüsenantikörper nachweisbar.
Es gibt also einiges was darauf hindeutet, dass Eisen bei Hashimoto eine große Rolle spielen kann.
Dazu kommt, dass die Symptome von Eisenmangel und Hashimoto sich stark überschneiden: Müdigkeit, Schwäche, Haarausfall, Schwindel, Reizbarkeit. Um deine Symptome also klar einzuordnen, ist es wichtig sowohl deine Schilddrüsenwerte als auch deine Eisenwerte im Blick zu behalten.
Welche Blutwerte solltest du testen lassen?
- Ferritin: dein Eisenspeicher
- Transferrinsättigung: zeigt, wie viel Eisen gerade transportiert wird
- Hämoglobin: der Wert, der erst sinkt, wenn die Speicher schon lange leer sind
Was du bei Hashimoto aber unbedingt beachten solltest: Ferritin kann auch bei Entzündungen steigen. Dein Wert kann dadurch besser aussehen, als deine Eisenspeicher wirklich sind. Frag deshalb nach der Transferrinsättigung und bei Bedarf nach dem Entzündungswert CRP.
Welcher Ferritinwert ist bei Hashimoto sinnvoll?
Viele Labore geben als untere Grenze etwa 15ng/ml an, die WHO nutzt 15ng/l als Grenze für einen Eisenmangel bei gesunden Menschen. Ein Wert von 15 liegt also genau an der unteren Grenze. Viele Fachleute und Labore sehen inzwischen schon Werte unter 30 ng/ml als Eisenmangel an, auch wenn das Hämoglobin noch normal ist.
Das Labor meiner früheren Arztpraxis hatte folgende Normwerte für Frauen: 15–150ng/l
Wenn die obere Normgrenze bei 150ng/l liegt, muss man sich nicht wundern, wenn man sich bei einem Wert von 15 nicht ganz so fit fühlt.
Auf verschiedenen Fachseiten habe ich Werte von 50-100ng/l als Ziel für Hashimoto-Patienten gefunden. Ich denke es kommt auch immer zum Teil darauf an wie man sich fühlt, aber wenn man z.B. 15–150 ng/l als Normwert hat, würde ich irgendwas zwischen 50-100ng/l definitiv als sinnvoll betrachten.
Besprich am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, welcher Wert für dich passt. Entscheidend sind wie gesagt auch immer deine Symptome.
Wie nimmst du Eisen zusammen mit L-Thyroxin ein?
Eisen bindet L-Thyroxin im Darm zu schwer löslichen Verbindungen. Das bedeutet, dass weniger Schilddrüsenhormon bei dir ankommt, und deine Werte schlechter werden können. Deshalb bitte nicht gleichzeitig einnehmen.
Beim Abstand schwanken die Quellen. Fachinformationen und Schilddrüsenzentren nennen mindestens 2 Stunden, viele Ratgeber empfehlen 4 Stunden. Wenn du dein L-Thyroxin morgens nüchtern nimmst, passt Eisen in der Regel gut am Nachmittag oder Abend. Nimmst du deine Schilddrüsentabletten abends, dann kannst du das Eisen gut morgens oder vormittags nehmen.
Achte nur darauf, einen möglichst großen Abstand zwischen deiner Eisentablette und Kaffee, schwarzem Tee und Milchprodukten lässt, sie hemmen sie die Aufnahme.
Welche Eisenform ist die beste?
Die eine beste Form gibt es nicht. Zweiwertiges Eisen (Eisen(II)) gilt als Standard und wird gut aufgenommen. Dazu gehören Eisensulfat (am besten erforscht und günstig), Eisenfumarat und Eisenbisglycinat. Letzteres wird oft als magenfreundlicher beschrieben, aber es ist nicht prinzipiell besser als anderes Eisen.
Wenn du Eisen schlecht verträgst (z. B. Übelkeit oder Verstopfung davon bekommst), sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über eine andere Form oder einen anderen Rhythmus.
Häufig wird empfohlen, die Eisentabletten nur jeden zweiten Tag zu nehmen, damit sie besser aufgenommen werden. Theoretisch ist es wohl so, dass der Körper, um nicht zu viel Eisen aufzunehmen, die Aufnahme für ca. 24 Stunden einbremst. Heißt: Wenn du sie alle zwei Tage nimmst, ist die Aufnahme an den Tagen besser.
Studien zeigen pro Dosis eine höhere Aufnahme bei der Einnahme jeden zweiten Tag, aber in einer Studie über 3 Monate lag das Ferritin bei täglicher Einnahme höher. Was im Endeffekt für dich mehr Sinn macht, besprichst du am besten mit deinem Arzt.
Da viele Eisen nicht so gut vertragen, kann es angenehmer sein die Tabletten nur jeden zweiten Tag zu nehmen.
Hilft Vitamin C bei der Eisenaufnahme?
Vitamin C aus dem Essen kann die Aufnahme von Eisen aus Lebensmitteln verbessern, zum Beispiel Paprika oder Orangensaft zur Mahlzeit. Bei Eisentabletten ist das nicht so ganz eindeutig: In einer Studie mit 440 Erwachsenen mit Eisenmangelanämie brachte zusätzliches Vitamin C keinen messbaren Vorteil. Schaden tut es nicht, ein Muss ist es aber nicht.
Nicht auf Verdacht Eisen nehmen
Zu viel Eisen ist nicht harmlos. Lass erst testen, dann supplementieren, und kontrolliere den Verlauf. Wenn dein Ferritin trotz Eisen nicht steigt, lohnt es sich, nach der Ursache zu suchen, zum Beispiel starke Regelblutungen oder Verdauungsprobleme. Gerade nach der Geburt sind Eisenspeicher oft leer (mehr dazu in meinem Beitrag Hashimoto nach der Geburt).
Eisen ist nicht der Schlüssel zu allem, aber ein wichtiges Puzzleteil. Welche anderen es gibt, erkläre ich dir hier: Hashimoto: Blutwerte gut, trotzdem müde?
Dieser Beitrag spiegelt meine persönlichen Erfahrungen wider und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Bitte wende dich für Diagnose und Behandlung immer an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere Fachperson.
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